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der Lokalredaktion Radeberg

Sächsische Zeitung
Mittwoch, 13. Juli 2011


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Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth vor der Ullersdorfer Grundschule: Kampflos wollen er und der Ullersdorfer Ortschaftsrat die Schule nicht hergeben. Foto: Willem Darrelmann


Die Grundschule steht uns vertraglich zu!
Von Jens Fritzsche

Ortsvorsteher Wieth sieht gute Erfolgschancen, die Schule zu retten. Und will Klarheit beim Thema Geld.

Der Streit um das drohende Aus der Grundschule Ullersdorf tobt: Radebergs Stadtrat hatte entschieden, den Schulstandort ab 2013 von Ullersdorf ins benachbarte Großerkmannsdorf zu verlagern. Hintergrund: In Ullersdorf fehlen aktuell zwei Klassenräume, um alle Kinder aus Großerkmannsdorf und Ullersdorf aufnehmen zu können. Ursprünglich sollte deshalb in Ullersdorf eine Turnhalle gebaut werden, in der die fehlenden Räume integriert sind. Aus Kostengründen war das auf nach 2015 verschoben worden. Zwischenzeitlich öffnete Sachsen ein Dorf-Förderprogramm auch für Turnhallenbauten: Ullersdorfs Ortschaftsrat sah darin die Chance, das Projekt preiswerter und schneller zu bekommen. Dazu hätte der Stadtrat aber eine Bestandsgarantie für die Schule in Ullersdorf abgeben müssen. Was er nicht tat. Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (CDU) sieht darin vor allem eine politische Entscheidung gegen seinen Ortsteil – die SZ sprach dazu mit ihm:

Herr Wieth, offenbar ist ja das leidige Thema Geld der Knackpunkt im Grundschulstreit. Warum wollen Sie denn unbedingt eine Turnhalle für drei bis vier Millionen Euro?

Das Problem ist, die wollen wir ja gar nicht unbedingt! Aufgrund der nicht optimalen Sportunterrichtsbedingungen in Ullersdorf wurde im Rahmen der Diskussion um die Lösung des Platzproblems der Ullersdorfer Schule die Turnhalle von OB Lemm selbst ins Spiel gebracht.

Und was wollen Sie stattdessen? Wir wollen den uns laut Eingemeindungsvertrag dauerhaft zustehenden Grundschulstandort fit für die Zukunft machen. Dafür fehlen aktuell ein bis zwei Klassenräume. Die Turnhalle wäre optimal auch für unsere Vereine, auch für den Grundschulstandort sind entsprechende Sportmöglichkeiten erforderlich. Ob das eine neue Halle sein muss, steht auf einem ganz anderen Blatt. Umso ungerechter ist es, wenn Lemm nun ausgerechnet mit der Summe für den Turnhallenbau ins Rennen geht, um zu erklären, warum die Schule Großerkmannsdorf die preiswertere Lösung sei.

Sie werfen OB Lemm zudem Heuchelei vor. Er habe die Schule Ullersdorf seit Jahren für Großerkmannsdorf opfern wollen. Woran machen Sie diese Vorwürfe fest?

Kaum wurde deutlich, dass unsere Schule so gut besucht ist, dass ein Platzproblem entsteht, ist Lemm gemeinsam mit Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck zur Schulbehörde nach Bautzen gefahren. Zurück kamen sie mit der Entscheidung, den Schulstandort Ullersdorf nach Großerkmannsdorf zu verlagern. Da bleibt doch aber die Frage, warum mich die beiden nicht mitgenommen haben…

Was vermuten Sie denn?

Sie wussten, dass ich das als Ortsvorsteher nicht hinnehmen würde. Im Nachgang konnte ich ja dann im Kultusministerium den aktuellen Kompromiss erzielen: Zunächst Klassen nach Großerkmannsdorf auszulagern und in der Zwischenzeit das Platzproblem zu lösen.

Dennoch hatte sich OB Lemm ja zwischenzeitlich für beid e Standorte stark gemacht.

Und das haben wir auch immer unterstützt. Für Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher gab es nach der Schließung der Mittelschul-Außenstelle in Großerkmannsdorf, aus seiner Sicht durchaus verständlich, nur ein Ziel: die Verlagerung des Grundschulstandorts Ullersdorf nach Großerkmannsdorf. Und als jetzt deutlich wurde, dass die Schülerzahlen auf Dauer nicht für beide Standorte Ullersdorf und Erksdorf ausreichen, hat Kollege Hauck versucht, das Großerkmannsdorfer Schulproblem auf Kosten Ullersdorfs zu lösen. Und fand in Lemm einen tatkräftigen Unterstützer.

Aber der OB hat immer davor gewarnt, Ortsteile gegeneinander auszuspielen. Warum sollte er nun diese Linie verlassen?

Seine bisherige Strategie, er würde die Ortsteile nicht gegeneinander ausspielen, hat für ihn keinen Sinn mehr, da die Wahrheit offensichtlich geworden ist. Für mich ist das ganz klar eine politische Entscheidung. Der OB weiß, dass der Ortschaftsrat Großerkmannsdorf nur aus Freien Wählern besteht – und die Freien Wähler braucht er für seine Mehrheiten im Stadtrat. In Ullersdorf sitzt mehrheitlich die CDU im Ortschaftsrat; aber die CDU wird sich von Lemm eben nicht auf Linie bringen lassen. Das weiß er.

Sie haben dem OB auch vorgeworfen, das Thema als Wahlkampfthema zu nutzen. Aber eine Schulschließung ist doch kein wirklich gutes Wahlthema…

Der OB hat jedenfalls jede Maßnahme an der Ullersdorfer Schule vermieden, die dafür gesorgt hätte, dass das Raum- und Sportproblem gelöst worden wäre. Ansonsten hätte Großerkmannsdorf wohl auch sofort heftigsten Widerstand geleistet. Seine Strategie war es, die Entscheidung zwischen den Ortsteilen solange wie möglich hinauszuschieben, um sie dann nach der Kommunalwahl 2014 und auch nach der OB-Wahl 2015 zulasten von Ullerdorf zu treffen, was er in der Entscheidung des Stadtrats mit seinem Ja für Großerkmannsdorf nun auch dokumentiert hat.

In der jüngsten Ortschaftsratssitzung hatten Ullersdorfer Bürger aber vermutet, es könnte auch ein ganz anderes Problem dahinterstecken: Erksdorf bekomme sein Bauland nicht los…

Das kommt neben der Politik noch hinzu. Das sehe ich auch so: Ullersdorf ist ein gefragter Wohnstandort, viele junge Familien sind gerade auch wegen der Grundschule hierher gezogen. Zu Großerkmannsdorfer Problemen will ich mich aber nicht äußern.

Ihr Fraktionssprecher im Stadtrat, Thomas Israel, hat zudem erklärt, dass im Rahmen eines Förderprogramms zur Gestaltung der Großerkmannsdorfer Ortsmitte auch erhebliche finanzielle Mittel für das Schulgebäude in Großerkmannsdorf vorgesehen sind. Diesem Konzept hatte auch die CDU zugestimmt…

Natürlich haben wir als CDU-Fraktion im Stadtrat dafür gestimmt, das Geld nach Großerkmannsdorf zu schicken. Dazu stehe ich auch. Es wäre doch fatal, Förderchancen für Radeberg nicht zu nutzen. Aber es kann natürlich nicht sein, dass hier auf Dauer der Ortsteil Ullersdorf in wesentlichen Angelegenheiten, die ihm sogar vertraglich zugesichert sind, einseitig beschnitten wird.

Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher warf Ihnen im Stadtrat vor, Sie hätten sich für Ullersdorf nicht intensiv genug um solche Förderprogramme bemüht.

Das war wirklich unter der Gürtellinie. Hauck müsste wissen, dass Ullersdorf von seiner Struktur her gar nicht in dieses Förderprojekt passt. Aber wir hatten uns eben jetzt um Fördermittel aus einem anderen Programm bemüht, mit dem der Turnhallenbau in Ullersdorf nicht mehr drei oder vier Millionen, sondern nur eine Million Euro gekostet hätte. Aber genau an diesem Punkt hat die Schulschließer-Mehrheit im Stadtrat unserer Entwicklung quasi einen Riegel vorgeschoben.

Ist es nicht übertrieben, das Schul-Aus mit dem Untergang Ullersdorfs gleichzusetzen?

Den Untergang prognostiziere ich ja auch nicht. Aber wir hätten mit der Turnhalle viel erreicht: Wir hätten den maroden Gasthofsaal abreißen können, an dessen Stelle die Turnhalle gerückt wäre. Den leer stehenden Gasthof hätten wir zum Ortsamt machen können – und damit einen Ortsmittelpunkt geschaffen. Und um mal das Thema Geld ins Spiel zu bringen: Die Stadt hätte nicht mehr ständig Geld in den heruntergekommenen Gasthof samt Saal stecken müssen. Ab 2013 kommt nun aber auch noch die dann leer stehende Schule hinzu, für die Radeberg zahlen muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf Dauer sinnvoll ist.

Wie Sie überhaupt anzweifeln, dass der Umzug wirklich preiswerter ist als der Ausbau der Ullersdorfer Schule…

Ich zweifle, weil ja bisher niemand gesagt hat, was der Ausbau der Großerkmannsdorfer Schule wirklich kostet. Da gibt es Nachholbedarf beim Brandschutz, muss das Dach saniert werden. Die Heimatstube muss aus- und ins Gebäude der Alten Schule umziehen, in das jede Menge Geld zur Sanierung fließen muss. Es ist doch wirklich unglaublich, dass da niemand im Stadtrat nachgefragt hat, bevor er seine Hand zur Schließung der Ullersdorfer Schule hob.

Wie optimistisch sind Sie, durch eine Klage auf Einhaltung des Eingemeindungsvertrags die Schule für Ullersdorf zu retten?

Derzeit gehen wir alle Vorbereitungsschritte. Und ich bin sehr zuversichtlich. Die Ullersdorfer hätten sich 1998 in einer Umfrage jedenfalls nie für die Eingemeindung nach Radeberg entschieden, hätte Radeberg nicht die Sicherung des Schulstandorts Ullersdorf zugesagt. Es kann doch nicht sein, dass OB Lemm im Stadtrat erklärt, Verträge seien nicht für die Ewigkeit gemacht. Wie sollen die Bürger denn dann noch Vertrauen in einen OB haben?


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