Publikation mit
freundlicher Genehmigung
der Lokalredaktion Radeberg

Sächsische Zeitung
Samstag, 9. Juli 2011


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Geht es nach der Mehrheit von SPD, Linken und Freien Wählern im Radeberger Stadrat, bleibt die Tür der Ullersdorfer Grundschule ab Mitte 2013 zu. Die Ullersdorfer wollen sich das nicht gefallen lassen - sie pochen auf den Eingemeindungsvertrag, in dem die dauerhafte Sicherung der Schule festgeschrieben ist. Foto: Willem Darrelmann


Bleibt Ullersdorfs Schultür doch offen?
Von Jens Fritzsche

Ullersdorfs Ortschaftsräte sind wild entschlossen, gegen OB Lemm und die Stadt Radeberg zu klagen. Noch haben sie Hoffnung.

Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) dürften Donnerstagabend mächtig die Ohren geklungen haben. Denn im Ortsteil Ullersdorf, im rappelvollen Saal der Schmiedeschänke, spielte er eine wesentliche Rolle in einer emotionalen Ortschaftsrats-Debatte. Thema: Das drohende Aus für die Ullersdorfer Grundschule. Jetzt ist klar: Der Ortsteil ist wild entschlossen, gegen Radeberg und den OB zu klagen, um das Aus zu verhindern.

Der Stadtrat hatte bekanntlich mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern und Linken entschieden, die Ullersdorfer Schultüren 2013 zu schließen und den Grundschulstandort ins benachbarte Großerkmannsdorf zu verlagern. OB Lemm kommt dabei aus Ullersdorfer Sicht eine Schlüsselrolle zu. Denn er habe seit Jahren mit Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler) das Ziel der Schulverlagerung nach Großerkmannsdorf verfolgt. Lemm konnte Donnerstag darauf nicht reagieren, er war nicht da. „Ich bin nicht eingeladen worden“, so der OB. „Jeder kann kommen, die Sitzung ist öffentlich“, bleibt Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (CDU) gelassen. Was Lemm gesagt hätte, ist zudem bekannt: Er habe immer beide Schulstandorte gewollt, erklärte er regelmäßig. Aber glauben will ihm das in Ullersdorf niemand. Ortsvorsteher Wieth sagte warum: „Als wir ein Platzproblem in der Ullersdorfer Schule bekommen hatten, sind Lemm und Hauck ins Schulamt gefahren und kamen mit der Zusage zurück, die Grundschule wird nach Erksdorf verlagert.“ Wieth sei dann seinerseits ins Amt und ins zuständige Kultusministerium nach Dresden gefahren und habe einen Kompromiss erzielt. Der sah eine zeitweilige Außenstelle der Ullersdorfer Schule in Großerkmannsdorf auf der einen und den Bau einer Turnhalle mit zwei Klassenräumen auf der anderen Seite vor. Dafür hatte dann auch Radebergs Stadtrat grünes Licht erteilt.

Lemm hatte allerdings in der Diskussion um den Stadthaushalt 2011/12 für eine Verschiebung des Baus plädiert, die Stadt könne das im Moment nicht finanzieren. Gebaut werden sollte nicht vor 2015.

Die Ullersdorfer Ortschaftsräte hatten für diese Sicht des OB durchaus Verständnis, immerhin kostet das Projekt drei bis vier Millionen Euro. Als dann aber Anfang des Jahres klar wurde, dass der Freistaat ein Förderprogramm für den ländlichen Raum auch für Turnhallenbauten öffnet, hatte man in Ullersdorf die Chance gesehen, den Bau schneller und kostengünstiger zu bekommen – bei Abzug der möglichen Fördersumme noch eine Million Euro. Aber auch dieses Geld, so hatte der OB erklärt, habe die Stadt derzeit nicht. Und er verwies darauf, dass man niemandem erklären könne, warum man in Ullersdorf investiert, wenn gleich nebenan in Großerkmannsdorf ein gut ausgebautes Schulgebäude quasi leer stehe. Dass der Ortschaftsrat Ullersdorf dennoch darauf bestand, zumindest den Versuch zu starten, die Fördermittel zu bekommen, wird ihm und auch der pro Ullersdorfer Grundschule eingestellten CDU-Stadtratsfraktion nun zum Vorwurf gemacht. Ein klassisches Eigentor sei das, fand Lemm. Denn jetzt habe der Stadtrat gar nicht anders gekonnt, als die Schule zu verlagern. Denn in Großerkmannsdorf seien die Investitionskosten wesentlich geringer, um den Schulstandort dauerhaft fit zu machen. „Wie hoch die Kosten dort sind, sagt uns aber niemand – trotzdem haben die Schulschließer von SPD, Linken und Freien Wählern das Aus für Ullersdorf beschlossen“, empört sich Wieth. Und machte Donnerstag noch einmal klar, warum der Ortschaftsrat auf dem Fördermittelantrag bestand: „Es gab die Chance, drei Millionen Euro Förderung für ein vom Stadtrat gewolltes Bauprojekt zu bekommen!“

Kampflos wollen die Ullersdorfer ihre Schule nicht aufgeben. Es werden Unterschriften gesammelt und das OB-Mailfach solle überlaufen. Und der Ortschaftsrat stimmte dafür, den ersten Schritt zur Klage gegen Lemm und Stadt zu gehen. Kommende Woche wird es im Landratsamt ein Gespräch von Wieth und dem Klagevertreter der Ortschaft, Dr. Jürgen Rühmann (SPD), mit der Rechtsaufsicht des Kreises geben. Anschließend wird sich der Ortschaftsrat wohl noch im Sommer zu einer Sondersitzung treffen, um endgültig über eine Klage zu befinden. „Aus unserer Sicht ist klar, Radeberg begeht Rechtsbruch“, erklärte Rühmann am Donnerstag. Denn in der 1998er Vereinbarung zwischen Radeberg, Ullersdorf und Großerkmannsdorf über die Eingemeindung ist die dauerhafte Sicherung des Schulstandorts Ullersdorf festgeschrieben. „Sonst hätten wir uns nie eingemeinden lassen“, so Rühmann. Der OB sieht das anders. „Verträge sind nicht für die Ewigkeit gemacht“, sagte er im Stadtrat. Zudem findet er, dass im Vertrag auch die Sicherung des Mittelschulstandorts Großerkmannsdorf steht – „und den hat der Freistaat geschlossen, die Geschäftsgrundlage des Vertrags ist weg.“ Jürgen Rühmann verneint das.

Es dürfte ein heißer Sommer werden in Ullersdorf.


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